Freiwilligenarbeit – Meine Zeit auf einem Lebenshof

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Vor ziemlich genau zwei Monaten bin ich aufgebrochen zu meinem bisher größten Abenteuer…

Ich wollte sechs Wochen auf einem Lebenshof leben und arbeiten. Die Idee dazu kam mir bereits 2017, als wir uns auf Backpacking Reise durch Sri Lanka befanden. Dort leben unzählige Hunde auf der Straße. Da sich kaum jemand um sie kümmert, sind sie meist sehr verwahrlost, teilweise sogar krank oder verletzt. Das hat mich damals sehr mitgenommen und seither nicht mehr losgelassen. Von da an war mir klar, dass ich mich irgendwann einmal in diesem Bereich engagieren möchte. Aus zeitlichen Gründen war eine Reise nach Sri Lanka allerdings leider nicht machbar. Deshalb hatte ich mich letztendlich dazu entschieden, einige Zeit auf einem Lebenshof in Deutschland zu verbringen. Denn auch die Arbeit mit „Nutztieren“ und der Kontakt zu ihnen hat mich schon immer sehr interessiert. Zudem freuen sich viele Lebenshöfe sehr über freiwillige Hilfe.

Schon bald hatte ich auch einen schönen kleinen Hof gefunden, auf dem ich gegen meine unentgeltliche Arbeit nicht nur kostenlos unterkommen konnte sondern zudem auch verpflegt wurde. Zusätzlich vertritt der Hof eine vegane Lebensweise. Dies war mir bei der Auswahl eines geeigneten Hofes auch sehr wichtig. Ich schien also den perfekten Ort gefunden zu haben.

Unterschied Lebenshof - Gnadenhof

Meistens liest oder hört man im Zusammenhang mit geretteten Tieren den Begriff Gnadenhof. Das Wort Lebenshof taucht dabei eher seltener auf. Doch was genau unterscheidet diese beiden Hofarten?

Der Unterschied liegt weniger in der Behandlung der Tiere oder deren Leben auf diesen Höfen. Vielmehr besteht eine Differenz in der Auffassung des Begriffes „Gnadenhof“. Viele Betreiber von Lebenshöfen stören sich nämlich an dem Wort „Gnade“. Dies impliziere deren Auffassung nach eine gewisse Großzügigkeit von menschlicher Seite her. Nach dem Motto „weil der Mensch so großzügig ist, hat das Tier das Glück, begnadigt zu werden und darf deshalb weiter leben“. Lebenshöfe sehen das Leben dieser Tiere eher als ein Recht, das ihnen zusteht. 

„Alles Große in unserer Welt geschieht nur, weil jemand mehr tut, als er muss.“
– Hermann Gmeiner

Der Alltag auf dem Hof

Ende September bin ich dann zu meinem ersten Solo-Trip aufgebrochen. 

Kaum angekommen begann am nächsten Tag früh morgens auch schon mein erster richtiger Arbeitstag. Dieser startete jeden Morgen gegen 7 Uhr und endete meist erst mit dem Sonnenuntergang.

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Die Aufgaben umfassten ganz klassische Tätigkeiten wie das Misten der vielen Ställe, das Füttern der Tiere morgens und abends und das Wechseln der Wasserstellen. Zusätzlich gab es jeden Tag eine Reihe weiterer Aufgaben, die im Endeffekt den ganzen Tag füllten und kaum eine Verschnaufpause zuließen. Die Arbeit war hart und oft kein Zuckerschlecken, aber dennoch unglaublich erfüllend. Natürlich war mir von Anfang an bewusst, dass ich nicht nur den ganzen Tag Tiere streicheln und kuscheln würde. Wer sich das von der Arbeit auf einem Lebenshof erhofft, den muss ich leider enttäuschen. Trotzdem ist das Zusammensein mit den Tieren so bereichernd. Jedes Tier hat seine individuelle Persönlichkeit und ich habe jedes Einzelne sehr schnell in mein Herz geschlossen. 

Zusätzlich hatte ich das Glück, dort auf drei Mädels zu treffen, mit denen ich mich von Anfang an super verstanden habe. Zusammen haben wir es geschafft, (oft mit sehr viel Galgenhumor) die vielen Herausforderungen des Hofalltags zu meistern. Wir saßen oft stundenlang bis spätabends gemeinsam in der Küche, haben gut und viel gegessen und großen Spaß gehabt. Da wir weder Internet noch Fernsehen hatten und wirklich 24/7 zusammen verbracht haben (die Zimmer wurden geteilt, deshalb hatte man ein gewisses „Schullandheim-Feeling“), war das eine sehr intensive Zeit, für die ich sehr dankbar bin.

„The least I can do is speak out for those who cannot speak for themselves.“
 Jane Goodall 

Schaf auf dem Lebenshof
Lamm auf dem Lebenshof

Auf welchem Hof ich war, werde ich allerdings nicht preisgeben, da ich mich nicht damit identifizieren kann, wie die Dinge dort ablaufen und wie mit den freiwilligen Helfern umgegangen wird. Es gab Einiges, mit dem ich absolut nicht einverstanden war, weshalb ich mich letztendlich auch leider dazu entschließen musste, den Hof früher als geplant zu verlassen. 

Auf jeden Fall kann ich euch mit auf den Weg geben, gut zu recherchieren, bevor ihr euch für einen Hof entscheidet. Und wenn ihr dort seid und das Gefühl habt, es passt nicht für euch, ist das auch ok. Auch wenn ihr früher abreist als geplant, habt ihr trotzdem eine Menge Gutes getan und euch um das Wohl der Tiere gesorgt. Lasst euch diesbezüglich auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen machen. Denn das ist ein klares Indiz dafür, dass die Art, wie der Hof geführt wird, nicht in Ordnung ist.

Woran erkennt man einen guten Hof?

Nun, ich bin natürlich kein Experte. Aber meiner persönlichen Ansicht nach gibt es einige Anzeichen, die ihr beachten könnt:

  1. Zum einen finde ich es wichtig, dass neben den freiwilligen Helfern auch professionelle bzw. erfahrene Kräfte auf dem Hof leben und/oder arbeiten. Diese sollten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und euch das Gefühl geben, nicht mit der enormen Verantwortung alleine da zu stehen.

  2. Zusätzlich erachte ich es als essentiell, eine umfassende Einführung zu erhalten, bevor ihr mit der Arbeit beginnt. Denkt immer daran, dass ihr euch um Lebewesen kümmert, die alle individuelle Bedürfnisse haben. Zudem haben die meisten Tiere teilweise schon schlimme Dinge in ihrem bisherigen Leben durchmachen müssen. Sie haben es verdient, professionell versorgt zu werden.

Wenn ihr euch noch ausgiebiger über Lebens-, bzw. Gnadenhöfe informieren möchtet, kann ich euch diese Höfe und besonders „Hof Butenland“ sehr ans Herz legen.

Fazit

Wer also harte und körperliche Arbeit nicht scheut, kein Problem damit hat, sich auch mal schmutzig zu machen gerne Zeit im Freien verbringt (bei Wind und Wetter), dem kann ich Freiwilligenarbeit auf einem Lebenshof wirklich empfehlen. Für mich war es eine unglaubliche und bereichernde Erfahrung und die Tiere werden es euch sicherlich danken.

„You won’t change the world by saving an animal. But you will change the animal’s world.“

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